Griechenland 2005

Tragödie und Mysterium 2005

Griechenland-Studienreise der TheaterAkademieStuttgart vom 4. September bis 18. September 2005

Olympia, Messene, Bassae, das Tal der schwarzen Demeter, Mykene, Epidauros, Eleusis, Korinth, Delphi

Erlebnisbericht

In den frühen Morgenstunden versammeln sich die Schüler der TheaterAkademieStuttgart. Alle warten auf den Reisebus, der uns über die Schweiz nach Italien zur Fähre nach Ancona bringen soll - zwischen Müdigkeit, Aufregung und jeder Menge Gepäck.

In Ancona angekommen, muss alles wieder ausgeladen und unter Aufbietung letzter Kraftreserven auf die Fähre der Super Fast Ferries gebracht werden. Die Ausstattung des Schiffes aber hebt schnell die Stimmung. Nach einer stürmischen, schlaflosen, aber irgendwie wunderbaren Nacht in Gepäckablagen, unter Tischen oder auf dem Boden des Oberdecks, gönnen sich die Mutigen am Morgen im kalten Pool ein erstes Urlaubserlebnis.

Rund sechzehn Stunden später in Patras das gleiche Spiel von vorne: Gepäck schultern und in den Bus - mit original griechischem Fahrer und erste griechische Vokabeln gelernt. Irgendwie scheint niemand vorher über Sprachprobleme nachgedacht zu haben.

Angekommen auf unserem Campingplatz erleben wir die ersten und fast einzigen Regentropfen auf dieser Reise. Ein kleiner Schauer, der ja wohl nur ein schlechter Scherz sein kann. Müde aber guten Mutes macht sich das Küchenteam an die Zubereitung des Abendessens, während die anderen sich an der neuen Disziplin „Zeltaufbau im Dunkeln“ üben. Nachdem alle gestärkt sind, wandern wir zum 10 Minuten entfernten Strand - und sitzen schließlich unter einem unglaublichen Sternenhimmel um ein großes Strandfeuer und lauschen, griechischen Mythen und Geschichten, die uns Joachim Daniel, unser Reiseleiter, fast jeden Abend spannend zu erzählen weiß.

Die nächsten Tage sind, neben endlosen Busfahrten, Krabbeltieren im Zelt und toilettenpapierlosen Klos, geprägt von den Besichtigungen jener Orte, an denen das Theater seine Wiege hat. Ob ein Wettrennen im Stadion von Olympia, eine stundenlange Wanderung ins Tal der schwarzen Demeter oder ein Besuch im Asklepios-Heiligtum, alles wird immer wieder erläutert durch die anschaulichen Erzählungen unseres Reiseleiters.

Ein besonderes Erlebnis war der Besuch von Mykene. Nach kurzer Begehung der Ausgrabung bei sengender Hitze erwartete uns ein kleines Abenteuer: Versteckt im hinteren Teil der Ruine befindet sich der Eingang einer Höhle. Hier wurden in der Antike die 12-14 jährigen Jungen einem Initiationsritus unterzogen: Alleine und ohne jede Lichtquelle mussten sie schweigend die vielen in den Fels gearbeiteten Stufen hinab steigen - ohne am Ende des langen Ganges in den einige Meter tiefen Schacht zu stürzen.

Die Aussicht auf eine besondere Art der Selbsterfahrung trieb nicht nur die Männer unter uns auf die Spuren der Jünglinge von damals. Es ist schon erstaunlich wie gut man seine Seele atmen hört, wenn alle anderen Sinne ausgeschaltet sind! Nichts sehend und nichts hörend, vorsichtig Schritt für Schritt vorwärts tastend, ist die Spannung für einige kaum auszuhalten und viele kommen trotz angenehmer Temperaturen in der Höhle nass geschwitzt wieder heraus. Anschließend statten wir dem Grab der Klytaimnestra einen Besuch ab, ein akustisches Erlebnis!

Ein absolutes Highlight war der Besuch im Theater von Epidauros. Andächtig sitzen wir verteilt in dem riesigen Rundbau auf steinernen Stufen, die sicher eine Menge zu erzählen wüssten, wenn sie nur sprechen könnten. Aber sprechen sollen hier andere: Einzelne, mehrere oder alle zusammen stehen nach einander auf der Tümele, dem akustisch optimalsten Punkt des Theaters, und ihre Stimmen dringen ohne jede Anstrengung bis in die obersten Reihen.

Auf der Rückfahrt hatten wir in einer kleinen Bucht die Möglichkeit, an der Steilküste aus bis zu 15 Metern Höhe ins tiefblaue Wasser zu springen, eine weitere Mutprobe, die viele gemeistert haben.

Gegen Ende der Reise - Delphi. Vom Tempel des Apollon, in dem früher die Pythia das Orakel empfing, ist heute nur noch wenig übrig. Über der Eingangspforte soll einstmals gestanden haben: Tritt ein, erkenne dich selbst. Ein Satz der auch gut auf unsere ganze Reise passt, denn als wir uns auf der Rückreise in der Lounge der Fähre zur Abschlussrunde treffen, wird schnell klar: Irgendwie ist unterwegs ein neues Selbstverständnis entstanden, sowohl im Hinblick auf das Verständnis unserer Kunst, als auch auf uns selbst.

Unsere Reise zu den Ursprüngen des Theaters war, das darf ich sicher sagen, für alle ein besonderes Erlebnis und ich hoffe, dass ich die Gelegenheit haben werde, noch einmal an solch einer Studienreise teilnehmen zu können.

Janina Peters, 3.Ausbildungsjahr Theaterpädagogik

Griechenland 2009